Andersleben können nur Menschen, die keine Angst vor sich selbst, vor den eigenen Gefühlen haben.

Dann sind wir in der Lage, über die eigenen Ängste, Sorgen und Probleme hinaus umfassend auf unsere sozialen und ökologischen Zusammenhänge zu schauen und die Wirklichkeit, die wir sehen, nicht mehr zu verdrängen. Und wir stellen immer wieder fest: Das kann doch nicht wahr sein, was da geschieht.

Andersleben spricht Menschen an, die sich als Teil dieser Gesellschaft verstehen, sich nicht für etwas Besseres halten. Wir sind interessiert, besser zu leben - ohne Angst und voll Lebensfreude.

Andersleben macht aufmerksam, dass wir alle beteiligt sind an den Zuständen, die wir beklagen, und dass wir uns selbst ändern müssen und zugleich nur gemeinsam die von uns allen geschaffenen Strukturen ändern können.

Andersleben zieht Menschen an, die sich keiner alten oder neuen Autorität mehr unterordnen, sondern sich vollständig verantwortlich fühlen für das eigenen Denken und Handeln.

Andersleben will niemanden mehr beherrschen oder sich unterzuordnen, sondern jeder bringt, so wie ich es hier tue, seine eigenen Impulse ein, läßt sich von anderen inspirieren. Ein gemeinsames Handeln geschieht, wenn es stimmig ist und sich unbelastet gut anfühlt. Vielleicht entsteht so ein sich selbstorganisierendes Netzwerk.

Andersleben kann sich überall entfalten.

 

Andersleben

Bin ich nicht ein großartiger Mensch?“ Manchmal denken Sie vielleicht so, um sich aufzublasen. Aber manchmal spüren Sie es auch, vor allem wenn Sie keine Angst mehr vor Ihren eigenen Gefühlen haben. Wenn Sie regelmäßig klopfen oder Selbsthypnose anwenden, lassen Sie sich nicht mehr von den sog. negativen Gefühlen terrorisieren. Durch Klopfen drehen Sie den Spieß um und richten ihn auf die Ursache einer Störung, um wieder frei zu werden. Wenn dies gelingt, fühlen Sie sich womöglich wunderbar. So weit, so gut.

Aber als soziale Wesen (die aus Angst vor dem Alleinsein oft asozial sind) sind wir nicht dafür geschaffen, nur als einsame Klopfer zu leben, die sich selbst glücklich machen. Wie können wir gemeinsames Glück erleben, wenn unsere Mitmenschen voll Wut, Trauer, Angst, Neid, Gier usw. noch nicht begriffen haben, dass sie sich selbst unglücklich machen? Unsere mehr oder weniger lieben Mitmenschen lassen an mir und an Ihnen und an anderen Menschen, Tieren und an der Umwelt ihre Unzufriedenheit aus. Das geschieht tagtäglich millionenfach auf der ganzen Welt, sonst wäre der Zustand der Menschheit nicht so desolat. Wenn Sie mit sich ehrlich sind, gestehen Sie sich auch ein, dass Sie ebenfalls Teil dieses Wirtschaftssystems sind, das den wachsenden Reichtum in Elend und Umweltzerstörung zu verwandelt. So reinigend wie das Klopfen und gründliche Achtsamkeit sind, so haben wir alle doch außerdem noch blinde Flecken und merken manchmal gar nicht, wie wir uns selbst und andere schlecht behandeln.

Andersleben“ ohne Chaos im Gegen- und Miteinander, geht das überhaupt? Manchmal geschieht das ja wie selbstverständlich, dass wir auf eine gute Weise zusammen sind. Darüber müssen wir gar nicht viel nachdenken und reden. Aber oft geht es uns nicht gut mit unseren negativen Gefühlen, dem Streit miteinander und den körperlichen Beschwerden wegen unbewältigter Gefühlsprobleme.

Anders denken reicht dann nicht. Mit unserem klugen Köpfchen können wir die schönsten Vorstellungen von Gemeinsamkeit, Mitgefühl oder gar Erleuchtung produzieren und uns trotzdem im Alltag wie ein – Sie wissen schon – verhalten. Eine schöne Idee ist nur wirklich schön, wenn sie gelebt wird und nicht dem Selbstbetrug dient.

Bei uns selbst, in unseren alltäglichen Miteinander, müssen wir beginnen.

Alles andere, nämlich andere verändern zu wollen, führt direkt in den Psychokrieg der Rechthaberei. Und sich von anderen psychisch steuern zu lassen entgegen den eigenen Empfindungen, bedeutet gleichfalls, diesem Krieg Raum zu geben. Wenn der Geist vom Bessersein und Mehrhabenwollen mit samt der Gier, Wut und Enttäuschung gequält ist, ist der Boden bereitet für körperliche Gewalt bis hin zum Krieg mit Waffen.

In der Situation, in der wir jedoch unsere negative Gefühle, wo immer sie herkommen mögen, in positive Energie für uns selbst und für das Miteinander umzuwandeln vermögen, betreten wir das Land Andersleben mitten im Haifischbecken unserer Konkurrenzgesellschaft.

Das mag sich abstrakt anhören. Stöbern Sie auf meiner Website und vielleicht gefällt Ihnen Andersleben. So fing es an, als ich der Frage nachgegangen bin, wie Andersleben wirklich gelebt werden kann:

Bei einem stillen Abendspaziergang im Schnee vor 10 Jahren wurde mir bewusst: Ich kann noch soviel Geld anhäufen, um mich für die Zukunft abzusichern. Sicherheit gibt es dadurch nicht, im Gegenteil: Die Anstrengungen beim Geldsammeln und -horten machen mich einsamer, weil die am Geld orientierte Lebensart und der Wunsch, besser als andere dazustehen, uns voneinander trennt. Natürlich brauchen wir Geld zum Leben, aber müssen wir unser Herz daran hängen? Seitdem will ich herausfinden, auf welche Weise und warum wir uns und anderen das Leben schwer machen. Das war für mich die Geburtsstunde von Andersleben, um echte Gemeinsamkeit zu entdecken für ein genussvolles Leben in Liebe.

Je genauer wir, mein/e Patient/in und ich, hinschauen, wo Angst, Depressionen und Aggressionen herkommen, entdecken wir Nöte, die durch noch so gute Psychotherapie nicht aufzulösen sind: Hinter dem persönlichen Kummer steckt oft eine Verzweiflung darüber, dass wir Menschen soviel Gewalt, Ausbeutung, Umweltzerstörung und andere Schlechtigkeiten in die Welt bringen, selbst wenn man gar nicht direkt davon betroffen ist. Die Dummheit und Destruktivität in der Gesellschaft wahrzunehmen und nicht mehr verdrängen zu können – und nichts Sinnvolles aus dieser Erkenntnis heraus tun zu können - , das kann so unerträglich werden, dass psychische Probleme entstehen. Psychische Störungen sind aber keine Krankheit, kein Defizit des Menschen, sondern ein Aufschrei im Nervensystem, dass wir besser mit uns und mit der Welt umgehen sollen. Andersleben ist die lebensnotwendige Antwort auf diese Zustände, denen wir uns nicht entziehen können.

Es reicht nicht, schöne Ideen zu produzieren, wie es besser sein könnte und Müll zu trennen. Wir erzeugen die Probleme auf dem Erdball gemeinsam, also werden wir sie (wenn überhaupt?!) auch nur gemeinsam lösen. Dafür brauchen wir neue Formen der Kooperation, in der das gemeinsame Interesse am guten Umgang mit dieser Welt und mit allen Menschen ohne Bevormundung durch irgendeine Autorität sich entfalten kann.

Was tun? Uberall können Kreise von Andersleben entstehen und sich vernetzen. Für Andersleben gibt es keine Rezepte, nur Experimente.

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