27. September 2008
Bericht aus der Gruppe Andersleben

Wir haben folgende Verabredungen für unsere Treffen vereinbart, die uns hoffentlich in Zukunft komplizierte Absprachen ersparen:

13. Mai 2007
Bericht aus der Gruppe Andersleben

Der Gruppe Andersleben ist bewusst, dass unser Denken darauf trainiert ist, immer zuerst den eigenen Vorteil im Auge zu haben. Aber wir sehen die Notwendigkeit, die eigenen persönlichen Probleme wie die enormen Probleme der Menschheit ganzheitlich zu betrachten und zu behandeln. Ganzheitlich bedeutet für uns, dass wir alle Fragen des Lebens nicht mehr unter dem Gesichtspunkt sehen, ob eine Angelegenheit zum Vorteil oder Nachteil für mich, für meine Familie, für mein Land behandelt wird, sondern ob sie für alle Menschen, für die ganze Erde gut ist. Denn ein Wohlbefinden, das nur ein Mensch oder ein Teil der Menschheit auf Kosten der übrigen hat, vergrößert alle Probleme auf der Welt, auch von den Menschen, die sich gerade einen Vorteil verschafft haben. Denn wir alle sind miteinander verbunden. Ein wirkliches Wohlbefinden ohne Angst entsteht nur, wenn wir in dieser Verbundenheit liebevoll miteinander umgehen.

Diese Feststellungen sind leicht getroffen. Aber es ist völlig neuartig, so auch zu leben. Denn das menschliche Denken ist es seit Tausenden von Jahren gewohnt, aus Angst und getrieben von den Wünschen nach Sicherheit zuerst an den eigenen Vorteil zu denken. Wir wollen herausfinden, ob ein Bewusstsein entstehen kann, das tatsächlich ganzheitlich empfindet, denkt und handelt, so dass wir wirklich in der Verbundenheit mit Allem leben. Herausfinden bedeutet für uns nicht, eine passende Theorie dafür zu entwickeln, sondern wir wollen versuchen, ganzheitlich zu leben. Das muss in unseren persönlichen Beziehungen und auch in unserer Gruppe möglich sein. Wenn das nicht geschieht, macht Andersleben keinen Sinn. Denn nicht Ideen führen zu einer wirklichen Veränderung, sondern die Einsicht in die totale Verbundenheit der Welt. Diese Einsicht entsteht aber nur, wenn wir all die Mechanismen aufdecken, mit denen das Denken und die Gefühle, mit denen wir alle bisher gegen die Verbundenheit arbeiten und uns aufspalten und voneinander trennen. Jiddu Krishnamurti hat uns auf diese Zusammenhänge aufmerksam gemacht, und wir fühlen uns von seinen Hinweisen zum Andersleben sehr ermutigt.

Der offenkundige Klimawandel wird zu den bestehenden Problemen der Menschheit bisher nicht gekannte dramatische Entwicklungen mit sich bringen. Die verschiedenen Regierungen und Wirtschaftsmächte bereiten sich längst darauf vor, jedoch so, wie sie immer handeln, nämlich um den Vorteil für das eigene Kapital daraus zu ziehen. Anders können sie gar nicht denken. Denn es existiert kein Bewusstsein und kein Handeln, um dieses und alle anderen globalen Probleme wirklich gemeinsam anzugehen. Die Fähigkeiten der Menschen, als ungeteilte Gemeinschaft zu empfinden, zu denken und zu handeln, sind nicht entwickelt.

Die Gruppe Andersleben will heute herausfinden, wie wir anders leben können. Denn wir leben heute, egal ob wir künftig irgendwelche Probleme bekommen, egal ob die wahrscheinlichen Katastrophen des Klimawandels uns bald oder später treffen oder erst unsere Kinder. Die Entfaltung des ganzheitlichen Bewusstseins ist für jeden von uns die wichtigste Angelegenheit in unserem Leben.

Einige Aspekte sind uns schon klar geworden:

Wer an diesem Prozess teilnimmt, erwartet nicht, dass die anderen in der Gruppe seine oder ihre Wünsche und Vorstellungen erfüllen. Für uns ist klar, dass die Entwicklung des ganzheitlichen Bewusstseins die Herausforderung des eigenen Lebens ist, die uns niemand abnehmen kann, auch nicht die Gruppe Andersleben. Wer das nicht begreift, wird sich wieder von uns trennen, vermutlich mit Enttäuschung. Denn wer gefangen ist im Glauben, die Gruppe könnte ihm einen Halt oder Sicherheit geben, unterliegt einer Täuschung. Denn nur wenn wir uns selbst ernsthaft den eigenen Problemen stellen, die uns von der Gemeinsamkeit trennen, dann wird vielleicht das neue Bewusstsein entstehen. Nur die Energien, die jeder in die Gruppe einbringt, wird den gemeinsamen Prozess bereichern, und nicht, wenn man Energien von der Gruppe bekommen möchte.

Die Auseinandersetzung mit unseren Ängsten ist ein zentrales Thema. Denn unsere Ängste erzeugen die Abspaltung und die Trennung der Menschen untereinander. Wir sind bemüht, unseren Ängsten so tief wie möglich an die Wurzeln zu gehen und Kontakt zur Existenzangst und zur Angst vor dem Tod zu bekommen. Dann können wir über die persönlichen Einsichten in unsere Ängste den ganzen Mechanismus der Angstproduktion erforschen, welche die Menschheit in Gruppen aufspaltet, die gegeneinander kämpfen. Wir wollen das ganzheitliche angstfreie Leben entdecken, das Leben das nicht nur für mich oder für andere Menschen gut ist, sondern das Wohlbefinden aus der allseitigen Verbundenheit entstehen lässt. Das ist aber kein Ziel, das wir für die Zukunft anstreben. Es ist ein unaufhörliches Herausfinden, was ein ganzheitliches Leben bedeutet.

Im möglichst offenen gemeinsamen Betrachten der persönlichen Probleme erforschen wir die Tiefe der menschlichen Probleme, die uns voneinander trennen und das Gegeneinander erzeugen. Dazu bemühen wir uns, vollständig zuzuhören. Das bedeutet, dass wir dem, was von anderen gesagt wird und dem Gedankenwirbel im eigenen Kopf zugleich aufmerksam zuhören, ohne die üblichen Bewertungen und Beurteilungen. Die Fragen, die uns beschäftigen, sollen in der vollständigen Achtsamkeit sich selbst beantworten. Wir wollen uns nicht mehr auf das alte psychologische Wissen stützen, das immer nur den engen persönlichen Angstblickwinkel hat. Für die Herausforderung zu einem Leben in Liebe brauchen wir kreative Antworten, die in jedem Moment wieder vollständig neu entdeckt werden müssen. Es kommt nicht darauf an, ob und wie gut wir zuhören können, sondern es gibt nur das Bemühen, es zu tun.

Es gibt also nichts, was wir anstreben oder was wir schon im Kopf haben. Wir machen uns auch keine Gedanken darüber, was aus unserer Gruppe einmal werden soll. Wir empfinden und wir wissen, dass es jetzt für unser Leben richtig und notwendig ist, gemeinsam an diese Fragen heran zu gehen. Unser heutiges Leben ist alles, was wir haben. Was einmal daraus wird, wird uns das Leben selbst zeigen.

Jede Person kann sich unserer Gruppe anschließen. Niemand ist ausgeschlossen. Allerdings wird die Gruppe auch nicht akzeptieren, wenn jemand seine persönlichen Probleme in der Weise einbringt, dass er von den anderen Hilfe oder die Lösung erwartet. Jedem muss dabei völlig bewusst sein, dass er ganz allein für sein Leben verantwortlich ist und auch für das, worüber er in der Gruppe spricht. Ein ganzheitliches Leben bedeutet auch, dass wir weder andere Menschen benutzen wollen noch akzeptieren, benutzt zu werden. Wie das im Einzelnen genau aussieht, wissen wir nicht. Dies herauszufinden, ist die Herausforderung, der wir uns in der Gruppe genauso wie in unserem Alltagsleben immer wieder erneut stellen wollen.

12. Febr. 2007
Bericht aus der Gruppe Andersleben

Das persönliche Problem ist Teil der psychischen Struktur der Menschheit

Durch die Gespräche zu den Fragen vom Andersleben wurde es mir auf einmal schlagartig bewusst: Die Spaltung, die das Denken hervorruft, hat auch alle Probleme, die das Denken mit sich bringt, in persönliche, private Probleme verwandelt. Wir glauben, dass unsere Probleme einzigartig sind und dass wir in dieser oder jener Hinsicht besonders schlechte oder gute Menschen, vor allem aber besondere Menschen sind. Deshalb können wir nicht mit anderen offen über unsere Probleme reden, sondern müssen uns damit verstecken in den Beichtstuhl oder in das Therapeutenzimmer. Dort reden wir mit Menschen darüber, von denen wir irrtümlicherweise glauben, sie hätten diese Probleme nicht oder sie zumindest inzwischen gelöst. Aber solange wir diese Probleme vor anderen verstecken müssen, werden wir uns niemals in Ordnung fühlen, sondern es bleibt das Gefühl des persönlichen Versagens oder des persönlichen, ungerechten Schicksals oder dass die Eltern uns nicht richtig geliebt haben, bestehen. Im Persönlichen können die Probleme sich nicht auflösen, sondern sie werden immer nur noch weiter vertieft. In der tiefen Einsicht, dass die Probleme allgemein menschlicher Natur sind, dass sie Produkte der Abspaltung von der Wirklichkeit sind, die das Denken hervorruft, erfolgt die Beendigung der psychischen Probleme. Dies bedeutet, dass wir im Andersleben uns vollständig voreinander öffnen müssen. Um die Tiefe des allgemeinen menschlichen Problems zu erfassen, müssen wir in die eigene Tiefe gehen. „Müssen" bedeutet nicht ein von außen, von einer Gruppe auferlegter Zwang, sondern die Einsicht, dass die totale Öffnung unabdingbare Grundlage für die Lösung unserer Probleme ist. An diese Herausforderung ohne jeglichen Druck in liebevollem Verständnis füreinander heranzugehen und damit zu neuen Einsichten zu kommen ist m. E. notwendiger Bestandteil vom Andersleben.

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