Unsere wunderschöne Welt brennt

Ich spüre den Zwiespalt tagtäglich, wenn ich die Zeitung aufschlage genauso wie in den Therapiegesprächen und im Austausch mit Freunden: Wunderschöne Erfahrungen im Kontakt mit der Natur und in echter Beziehung mit Menschen. Maßloses psychisches und materielles Leid bei so vielen Menschen in Deutschland und in der ganzen Welt sowie eine zerstörerische Ausbeutung der Erde. Ich kann es nicht einfach hinnehmen, wie sehr wir unsere wunderschöne Welt und das wunderbare materielle, psychische und geistige Potential der Menschheit offenkundig zerstören.

Sehen wir die Schönheit der Welt?

Die Welt, in der wir leben, hat eine Schönheit, einen Reichtum, eine Vielfalt, die atemberaubend und beglückend sind, wenn wir uns dafür öffnen, sie wahrzunehmen. Zu dieser Welt und ihrem natürlichen Reichtum gehören auch die Menschen, die Kinder, die jungen wie die alten Leute, mit denen wir große Freude in den unterschiedlichsten Situationen erleben können.

Doch die meisten Menschen scheinen selten oder gar nicht in diesem wunderbaren Kontakt zur Welt und zu den anderen Menschen zu leben, sondern sind hauptsächlich mit ihrer Gedankenwelt beschäftigt. Ihre Ängste und Sorgen, Pläne und Glaubensvorstellungen, Hoffnungen und Befürchtungen, Ideen und Ideale, Erinnerungen an die Vergangenheit und die Wünsche für die Zukunft, alles, was man denken kann, ist wichtiger als der liebevolle gegenwärtige Kontakt zu dieser Welt und den anderen Menschen.

Da ich als Psychotherapeut Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten und von allen Altersstufen des Erwachsenenlebens behandele, bekomme ich einen umfangreichen Einblick sowohl in die innere Verfassung der Menschen als auch in die  gesellschaftlichen Zustände und Veränderungen, die sich im Leben der Menschen bemerkbar machen. Unser Innenleben, also wie wir denken, empfinden und fühlen und uns für die Welt öffnen, das entscheidet über unser Wohlbefinden, und das bestimmt auch unsere Beziehungen zu den anderen Menschen, damit erschaffen wir uns unsere Außenwelt.

So wie wir leben, ist auch die Gesellschaft, in der wir leben.

Offenkundig ist das vorherrschende menschliche Bewusstseins sehr destruktiv, wie wir an den Zuständen sehen, die wir in die Welt bringen.

Ein zunehmendes Zerbrechen von Gemeinschaft und in der Folge das Zerbrechen von Menschen ist zu beobachten. Die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Kontakte untereinander können rasch an Qualität und an Intensität verlieren, plötzlich abbrechen und umschlagen in Aggressivität bis hin zum Hass oder in Desinteresse. Aus Mangel an echtem Zusammenleben voll Freude suchen immer mehr Menschen die fehlende Lebensfreude im Kaufen und Konsumieren, egal ob sie über viel oder wenig Geld verfügen. Das Zusammensein mit anderen Menschen erfordert anscheinend für viele ein gleichzeitiges Betäuben durch Alkohol. Es ist unglaublich, wie viele Menschen inzwischen wie selbstverständlich Psychopharmaka schlucken, weil sie ihre große innere Einsamkeit nicht anders ertragen. Viele lassen sich in Massenveranstaltungen kurzfristig aufputschen oder durch das Fernsehen dauerberieseln. Wenn sie merken, dass mit dem eigenen Innenleben etwas nicht stimmt, flüchten sich manche Leute in Ideologien und Glaubensvorstellungen, die oftmals aggressiv gegenüber Andersgläubigen sind.

Und doch erleben viele Menschen immer wieder wunderbare zwischenmenschliche Begegnungen und haben echten Genuss im Kontakt mit der Natur.

Ich frage mich, was mit den Kindern los ist, die in virtuellen Welten aufwachsen, ihr Leben zunehmend vor dem Bildschirm verbringen, die Erfahrung realer intensiver Beziehung, die Erfahrung von Liebe, den Kontakt zur Natur, kaum noch oder gar nicht mehr kennen lernen und sich stattdessen in Gewaltfantasien flüchten und sich abgestumpft einem gewaltbeladenen, angstvollen, perspektivlosen Alltagsleben ergeben. Aber auch diejenigen, die in den Schulen verzweifelt um gute Noten kämpfen, sind voller Angst vor der ungewissen Zukunft, die von den Eltern auf die Kinder übertragen wird.

Und doch gibt es viele glückliche Momente, in denen Eltern, Großeltern, Lehrer und andere Erwachsene sich mit und an den Kindern erfreuen, wenn sie einmal nicht unter dem Anpassungsdruck stehen und die Kinder sich frei und lebendig fühlen.

Der gesamte gesellschaftliche Reichtum wird durch die enorme Fähigkeit der Menschen zur Kooperation geschaffen. Doch im Arbeitsleben wird diese Tatsache immer weniger wertgeschätzt und die gemeinsame Kooperation, der Zusammenhalt, das gut funktionierende Team mit zufrieden arbeitenden Menschen verliert an Bedeutung. Das gilt nicht mehr nur für Einzelfälle, für besonders schlimme Arbeitsplätze. Wenn die Menschen in der Therapie oder im Freundeskreis über ihren Arbeitsplatz sprechen, ob sie in Großkonzernen oder im Handwerksbetrieb, ob sie in öffentlichen Verwaltungen oder in Krankenhäusern oder im Altenheim arbeiten, geht es im Kern immer häufiger darum, dass die Macht, die Position, der persönliche Vorteil der alleinige, völlig rücksichtlose Motor des Handelns geworden ist. Ausgehend von den Führungsspitzen, deren Macht an den von ihnen herausgeholten Gewinnen und von den Aktienkursen abhängt, über die Ebenen der Vorgesetzten werden auch die einfachen Mitarbeiter in dasselbe Denken - nur der persönliche Vorteil zählt - hineingesogen, auch wenn sie sich vielleicht eine Zeit lang dagegen gewehrt haben. Das steht zunehmend im Vordergrund, wenn die Menschen über ihre Arbeit erzählen.

Und doch erfahren Menschen weiterhin eine tief befriedigende Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetzten in Aufgabenfeldern, die sie wirklich interessieren.

Die enorme Steigerung der Produktivität und des materiellen Reichtums ist die Folge einer gewaltigen Explosion des technischen Fortschritts und der weltweiten Zusammenarbeit. Doch die Globalisierung der Wirtschaft auf genau derselben Basis des maximalen persönlichen Gewinns schaufelt den unermesslichen Reichtum der Welt in die Hände von wenigen und führt zur Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen für den größten Teil der Weltbevölkerung, sowie zur zerstörerischen Ausbeutung der Erde. Man kann diese ökologischen und sozialen Zerstörungen, die in allen Ländern der Welt stattfinden, gar nicht mehr im Auge behalten, täglich wird über neue unlösbare Probleme berichtet. Früher habe ich auf Einzelprobleme und Katastrophen meine Aufmerksamkeit gerichtet. Heute sehe ich, dass es auf der ganzen Welt brennt.

Und doch gibt es auch bei den Armen leuchtende Augen und strahlende Gesichter, und überall auf der Welt erfreuen sich Menschen an der unglaublichen Schönheit der Natur.

Die sozialen Systeme in den reichen Ländern, der Arbeitsmarkt und die Arbeitsbedingungen, das Steuerwesen, das Gesundheitswesen, die Altersabsicherung und die Altenpflege, das Schul- und Bildungssystem sowie das ganze politische System stecken in einer tiefen Krise, aus der offensichtlich niemand einen Ausweg weiß. Die weiteren Verschlechterungen, die schon abzusehen sind, werden als Reformen verkauft. Es wird nur der Anschein erweckt, als gäbe es für dieses oder jenes Problem eine Lösung, an der man arbeitet. Tatsächlich versuchen aber die Mächtigen und die sog. Verantwortlichen aus den noch bestehenden sozialen Systemen ein Maximum für den persönlichen Vorteil oder für die eigene Interessensgruppe heraus zu holen. In allen gesellschaftlichen Schichten scheint es üblich zu sein, nur noch auf den persönlichen Gewinn zu schauen. Doch wer schon viel Geld, große Macht und Einfluss hat, holt für sich und seine „Freunde" am meisten heraus auf Kosten der finanziell Schwächeren, denen gleichzeitig Egoismus und sozialer Missbrauch vorgeworfen wird.

Und doch gibt es Menschen, die für sich jede Macht ablehnen, und für die das Geld nicht im Mittelpunkt des Lebens steht, weil sie verstanden haben, dass Macht und Geldgier mit Liebe unvereinbar sind.

So beobachte ich im mir vertrauten Gesundheitswesen, dass es nicht mehr in erster Linie den kranken Menschen dient, sondern dass die Patienten für alle „Helfergruppen" (Ärzte, Pflegepersonal, Therapeuten, Apotheker, Pharma- und Medizingeräteindustrie, Gesundheitspolitiker, -wissenschaftler, -verwalter usw.) ein Mittel sind, um einen möglichst großen Anteil an dem vielen Geld zu ergattern. Dabei geben die Menschen in ihrer Angst vor Krankheit und Tod zunehmend mehr Geld dafür aus. Der Gesundheitsmarkt soll Wirtschaftsmotor sein, sagen die Spezialisten des großen Geldes. Das bedeutet doch nichts anderes, als dass sie hoffen, durch Krankheiten und die Angst davor neue Profitquellen zu erschließen. Natürlich kümmern sich viele Helfer wirklich um den kranken Menschen. Aber dann passen sie oftmals nicht mehr in die vorgegebenen Schemata des Verteilungskampfes hinein. Durch einen unglaublichen, offenen und versteckten Anpassungsdruck werden auch viele Helfer auf den Kampf um die eigenen Interessen reduziert, wie es auch in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen geschieht.

Und doch gibt es Menschen, die diesen Gesundheitszirkus durchschauen als eine Produktionsmaschine von Krankheiten. Sie machen dabei nicht mit, sondern bemühen sich um ein wirkliches Verstehen des Körpers und seiner Verbundenheit mit dem Geist und der sog. Psyche.

Die meisten Menschen, die über den schlimmen Zustand der Welt sorgenvoll sprechen oder heftig darüber schimpfen oder daran verzweifeln, sind sich nicht bewusst, dass sie aus derselben unbewältigten Angst heraus handeln, wie die anderen Menschen auch, nämlich dass wir gemeinsam diese Welt täglich so erschaffen.

Und doch gibt es Menschen, die diese Zusammenhänge zwischen der Außenwelt und unserer Innenwelt klar erkennen und eine andere Art zu leben anstreben.

Sehen wir die Schönheit der inneren Welt, unseres unendlichen Geistes?

Die vernetzten menschlichen Gehirne, der Geist der Menschheit, an dem jeder Mensch Teil hat, verfügen über ungeheure Fähigkeiten. Wir sind in der Lage, die ganze Schönheit der Welt wahrzunehmen und in liebevoller Verbundenheit mit der Schöpfung glücklich zu leben. Diese Fähigkeit, ganzheitlich, d.h. in Verbindung mit der ganzen Welt zu leben, beruht auf einer Entwicklung, die schon Tausende von Jahren hinter sich hat, die wir aber bisher nur wirtschaftlich und technologisch genutzt haben, indem wir uns zu einem globalen Produktionskörper vernetzt haben.

Psychisch gesehen sind wir jedoch noch wie Tiere, die nur den unmittelbaren persönlichen Vorteil im Auge haben. Dieses individuelle Habenwollen des traditionellen Bewusstseins stammt offenkundig mit all seiner Angst aus unseren tierischen Wurzeln. Er steht im krassen Widerspruch zu der schon vorhandenen technischen Kooperationsfähigkeit, die eine enorme Produktivität erzeugt hat, die allen Menschen eine sichere materielle Existenz geben könnte. Stattdessen macht dieser sich immer weiter ausdehnende Egoismus wenige immer reicher, viele immer ärmer, aber alle, die ihm unterworfen sind, egal ob arm oder reich, unglücklicher und chronisch unzufrieden.

Wenn unser Bewusstsein sich in diesem oberflächlichen und zerstörerischen Gedankengefängnis der Ichbezogenheit befindet, beladen wir uns unaufhörlich mit Leid. Die sog. psychischen Erkrankungen haben in der ganzen Welt, vor allem aber in den reichen Ländern, atemberaubende Steigerungsraten in allen Schichten der Gesellschaft.

Und doch erfahren wir immer wieder unsere Verbundenheit mit der ganzen Welt, ohne die wir gar nicht existieren könnten. Manche Menschen sind sich dieser Tatsache auch intensiv bewusst.

Den Menschen wird ununterbrochen eingetrichtert, dass sie ihr persönliches Glück suchen sollen durch mehr Haben und mehr Sein und mehr Werden. Das geschieht auf allen Ebenen, in der Werbung, durch die Politik, durch ideologische und religiöse Propaganda, in den Gesundheits- und Schönheitskampagnen, durch Psychologie und Pädagogik usw. Tatsächlich werden aber dadurch nur die Menschen in der Konkurrenz um Reichtum und Ideale gegeneinander gehetzt. Die Anpeitscher und Gewinner in diesem universalen Konkurrenzkampf sind jedoch die größten Verlierer, weil sie zwar viel Macht und Geld haben, sich aber gleichzeitig am weitesten vom Kontakt zur Liebe entfernt haben.

Und doch ist es möglich, dem Dunstkreis dieses Strebens nach Mehr fernzubleiben, wenn man die krankmachende Destruktivität der Konkurrenz von Grund auf durchschaut, so dass wir uns in Freiheit und Liebe begegnen können.

Viele Menschen beklagen einen deprimierenden Mangel an echter Freundschaft und  Partnerschaft. Gleichzeitig glauben sie, dass man zuerst an sich selbst denken sollte. Die meisten Menschen wollen die Liebe, nach der jeder sich sehnt, von anderen bekommen. Sie behandeln die Liebe wie ein Tauschobjekt, wie ein Konsumgut. Die meisten Menschen wissen nicht, dass Liebe nur in der eigenen liebevollen Lebenseinstellung lebendig wird. Meistens muss man, so wie ich auch, erst schmerzlich begreifen, dass jegliche Erwartung und Forderungen an den Anderen das Erleben von Liebe verhindert. Dieser Tatsache muss man sich vollständig bewusst werden, anstatt sich in romantische Vorstellungen von Liebe als perfekte Ergänzung der eigenen Unzufriedenheit zu flüchten.

Und doch trägt jeder Mensch dieses tiefere Wissen über die wahre Natur der Liebe schon in sich. Es entspricht unserer natürlichen Verbundenheit mit der Welt und den anderen Menschen. Vermutlich haben auch die meisten Menschen schon glückliche Momente bedingungsloser Hingabe ohne jegliche Berechnung kennen gelernt. Es gibt Menschen, die sich für Beziehungen in Liebe öffnen, die niemals enttäuscht werden können.

Fast alle Menschen, die ich kenne, haben Angst vor dem Altwerden und dass sie in Altenheimen landen, in denen sie nur noch auf den Tod warten. Da Gemeinsamkeit kaum noch gelebt wird, obwohl wir alle darauf angewiesen sind, wird die Ablenkung von der Einsamkeit durch die Unterhaltungs­industrie zum großen Geschäft. Doch es droht Isolation und Vereinsamung, wenn das Geld oder die körperliche Kraft nicht mehr ausreichen, das Konsumangebot wahrzunehmen. Das ist eine wesentliche Quelle der Angst vor dem Altwerden. Darüber hinaus wird die Wahrnehmung unserer Sterblichkeit, unseres unausweichlichen Todes in der wir erst die ganze Tiefe und den Wert des Lebens erkennen können, solange wie möglich vermieden.

Und doch haben einige Menschen begriffen, dass die einzig sinnvolle und mögliche Vorbereitung auf das Altwerden und Sterben darin besteht, dass wir heute in Harmonie mit uns und der Welt leben. Denn wir werden heute älter und können heute sterben, nicht erst morgen.

Viele Menschen suchen Hilfe bei Therapeuten, wenn sie merken, dass ihre Fluchtwege aus der Angst durch Kaufrausch, Alkohol, Psychopharmaka, Sex, Klammern an Eltern, Kinder oder Partner usw. nicht mehr funktionieren, sondern dass die Angst und die Probleme dadurch nur noch größer werden. Viele erwarten vom Therapeuten, dass er der Fachmann zur Lösung ihrer Probleme ist, und werden in dieser irrigen Auffassung auch von vielen Therapeuten bestätigt. Doch weil die Probleme in neuem Gewand immer wieder kommen, werden sie davon enttäuscht und suchen einen Therapeuten oder Helfer nach dem anderen auf, bis zur Resignation.

Und doch können Patienten in der Therapie entdecken, dass der Therapeut nicht ihre Probleme lösen kann, sondern dass sie alles selbst schon in sich tragen, um ein gutes Leben zu leben und dass der Therapeut ihnen hilft, sich des inneren Reichtums für ein liebevolles Leben in der Welt bewusst zu werden. Eine gute Therapie hilft zu erkennen, dass man sich selbst ein Licht sein muss.

Die Religiosität, die Verbindung zu dem, was über das Individuum und über die Menschheit weit hinausreicht, erstickt unter den unglaubwürdigen Predigten der Kirchen und den Versprechungen der anderen sog. spirituellen Autoritäten, die behaupten Gott oder die Wahrheit oder die Liebe oder die Erleuchtung zu kennen. Die Sehnsucht nach wirklicher Religiosität erschöpft sich darin, die Wahrheit in den Meinungen anderer zu suchen.

Und doch gibt es Menschen, die all das verworfen haben und sich nicht mehr an den Behauptungen von Kirchenleuten und anderen Menschen festhalten. Sie bemühen sich um ein wirkliches religiöses Leben, das nicht auf „heiligen" Schriften aufgebaut ist. Sie sehen das ganze Leben, alle Menschen und die Natur, als das wirklich Heilige an und behandeln es so. Sie wissen:
Nur wenn wir in uneingeschränkter Liebe wirklich leben, können wir diese andere Dimension berühren.

All dies wird von allen Menschen zugleich mehr oder weniger gesehen oder zumindest gespürt und dann wieder verdrängt, weil ein anderes Leben nicht gesehen wird. In jedem Einzelnen von uns genauso wie in den gesellschaftlichen Organisationen findet ein dauernder Wechsel statt zwischen dem Aufschrei: „Das kann so nicht weitergehen!" und dem Weitermachen wie bisher.

Das Licht der weisen Menschen, die uns in der Menschheitsgeschichte wieder und wieder auf die universale Liebe, auf die Auflösung der Selbstbezogenheit, als unsere eigentliche Bestimmung zur Bewältigung der menschlichen Krisen und Kriege hingewiesen haben, wird verdunkelt durch die Angst vor einer wirklichen inneren Veränderung und dadurch, dass aus der Liebe schon seit Jahrtausenden ein Geschäft gemacht wird.

Können wir verhindern, dass wir in der Sorge um die materielle Sicherheit und in unserem Widerstand gegen Ausbeutung und Unterdrückung nicht selbst die Spirale von Angst und Feindseligkeit weiter antreiben?

Es gibt viele Organisationen und Projekte, in denen Menschen sich, angeregt durch tiefere Einsichten in diese Zusammenhänge, der weiteren Expansion von Gier, Angst und Gewalt entgegen­zu­stellen versuchen. Doch gerät dieses Engagement oft durch das Bemühen um finanzielle Förderung in dieselben Mechanismen der Konkurrenz und der einseitigen Sichtweise nur für das eigene Projekt. Oder es kommt zu Konflikten und Zerwürfnissen innerhalb der eigenen Gruppe oder mit anderen engagierten Menschen, sobald die einen ihre Ideen für besser oder richtiger halten als die der anderen. Dann grenzt sich eine Gruppe gegen die andere ab und rasch erblüht wieder dies Gegeneinander, aus dem man sich lösen wollte. Nicht nur der Kampf um das Geld, auch die Identifikation mit den eigenen Ideen verhindert ein gutes Miteinander.  

Können wir anders leben?

Was wird geschehen, wenn die nachdenklichen Menschen beginnen, sich in einer neuen Qualität zu vernetzen, die von der Tatsache unserer schon bestehenden Verbundenheit ausgeht? Können wir gemeinsam diese individuelle und gesellschaftliche Spaltung überwinden, nicht theoretisch, sondern praktisch? Diese neue Art von Vernetzung bedeutet, solche Kontakte aufzubauen und zu leben, in denen es keine Vorabbesserwisserei, keine Konkurrenz, keine Ausgrenzung gibt. Sind wir in der Lage, unsere persönlichen Ideen, Wünsche und Vorstellungen in Einklang zu bringen mit diesem grundlegenden Bedürfnis, im Alltag ohne Kampf gegeneinander und ohne psychische Ausbeutung in Harmonie zu leben? Sind wir bereit, der Tatsache unserer persönlichen Begrenztheit und Angst vor dem Tod und dem Nichtwissen ins Auge zu schauen, um die Liebe in ihrer wirklichen Tiefe entdecken zu können und anders zu leben?

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