Jenseits der Psychotherapie

Die Psychotherapie behandelt üblicherweise immer Teilprobleme des Lebens einer einzelnen Person, bestimmte Ängste, depressive Zustände, ein nicht enden wollendes Grübeln, Selbstwertprobleme, ungelöste Lebenskonflikte mit dem Partner, den Eltern, den Kindern, an der Arbeitsstelle usw.. Doch sehe ich in jedem einzelnen persönlichen Problem nicht nur das individuelle Schicksal, sondern darüber hinaus die ganze Geschichte der Menschheit mit der Grundangst aller Menschen vor der Zukunft, mit der Gewalt und all den Konflikten, die aus dem Kampf gegeneinander entstehen, ob in der Familie, am Arbeitsplatz oder zwischen den gesellschaftlichen Gruppen oder Nationen. Unsere persönlichen Probleme spiegeln den Zustand der Menschheit wider.
Deshalb werden wir mit unseren eigenen Problemen durch andere Menschen immer wieder konfrontiert. Die alten negativen Muster, selbst wenn sie in einer guten Psychotherapie aufgelöst erscheinen, können so immer wieder neu aktiviert werden.Manche Menschen wundern sich, dass sie auch nach einer guten Therapie doch wieder Probleme bekommen, weil sie dachten, dass eine Therapie die Lebensängste endgültig beseitigt. Sobald sie sich etwas besser fühlten, hörte das Änderungsbedürfnis meistens auf und sie lebten in dem gewohnten Stil weiter. Ihnen ist noch nicht bewusst, dass die Notwendigkeit der Selbsterkenntnis erst mit dem Tod endet, da das Leben immer wieder neue Situationen schafft.

Die Selbsterkenntnis findet nur zu einem Teil im Alleinsein oder in einer Therapie statt. Viele ungesunde Muster erfahren wir erst in unseren alltäglichen Beziehungen zu anderen Menschen. Auch dort kommen unbewusste Probleme kommen ans Licht und verlangen eine Antwort.Vielleicht wissen Sie schon, dass die eigenen Probleme keine ungewöhnlichen individuellen Probleme sind, sondern dass unsere Probleme auf Grundmustern beruhen, die bei fast allen Menschen zu finden sind. Vielleicht haben Sie schon eine Ahnung davon, dass persönliche Probleme eng zusammenhängen mit dem Chaos, das uns in der äußeren Welt begegnet. Die Welt stürzt uns ins Chaos, und wir produzieren das Chaos in der Welt. (siehe auch "Unsere wunderschöne Welt brennt"). Vielleicht haben Sie schon entdeckt oder verstanden, wie unfassbar schön die Welt ist, wenn man die Gedanken an Vergangenheit und Zukunft hinter sich lässt, wenn man der Realität des andauernden Sterbens und der Geburt des Neuen ins Auge schaut, wie intensiv die Lebensfreude im Zusammenleben mit Menschen ohne Konkurrenz ist, wenn man nicht mehr von der Angst um das eigene Ego und den Sorgen um das Geld beherrscht wird.

Wenn Sie die Verantwortung gleichermaßen für sich und für die Welt empfinden, interessiert sie vielleicht Verbundenleben, wo Menschen sich mit diesem gemeinsamen Interesse zusammentun. In meinem Buch "Es lauscht am Stein der Weisen" habe ich beschrieben, auf welche Weise wir uns selbst unglücklich machen, sowie über die Zusammenhänge zwischen den persönlichen und den gesellschaftlichen Problemen.

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