Infobrief 6: Banker und die Unfähigkeit zu lieben

t-online berichtet am 26.6.13 über einen „brisanten Mitschnitt“ von Gesprächen zwischen irischen Bankern: „Als Kapitalmarktchef Drumm am Telefon im Herbst 2008 erwähnte, er habe der Zentralbank versprochen, einen Überbrückungskredit sobald wie möglich zurückzuzahlen, brach er in Lachen aus: "Ich muss gleich die Unterwäsche wechseln!" „Bowe witzelte offen darüber, dass seine Bank die staatliche Garantie "missbrauche", man dürfe sich aber dabei nicht erwischen lassen. Wichtig sei nur, dass Geld reinkomme.“ „Drumm und Bowe lachten aber darüber, dass der Geldbedarf letztlich einen Graben zwischen Irland und seinen Partnern in Europa aufwerfen könnte.“

Wir sind alle miteinander verbunden. Die Verbundenheit ist Grundlage für unser Wohlbefinden. Daran kann niemand etwas ändern. Aber wie leben wir die Verbundenheit? So, dass ein gutes Miteinander möglich ist oder so, dass das Miteinander zerstört wird? Was geht in den Gehirnen von Menschen vor, die nur das Eigeninteresse sehen und die dadurch Verbundenheit untergraben und vielleicht auch zerstören? Was geht in den Verbrechern an der Menschlichkeit und in gnadenlosen Bankern vor? Brauchen sie die allseitige Verbundenheit nicht und sind sich selbst und ihrer Bande genug?

Manche Menschen scheinen zu glauben, sie wären glücklich, wenn sie nur um sich selbst kreisen. Sie sind aber nur Getriebene auf einer hilflosen Suche nach einem besseren Leben. Niemand entkommt der allseitigen Verbundenheit, auch nicht die Banker. Aber wenn sie das Geld nicht zur guten Entfaltung der Verbundenheit nutzen, müssen sie die Verbundenheit negativ leben. Ihren Gehirnen ist es, biologisch gesehen, nicht egal, wie die Beziehung zu denen ist, die sie um ihr Geld betrügen. Ohne Beziehung zu den anderen Menschen zu sein, so kann kein Gehirn arbeiten, auch nicht das eines skrupellosen Bankers. Sie müssen sich über andere lustig machen, um auf diese jämmerliche Weise ihre Form der Verbundenheit auszudrücken und dadurch wenigsten etwas teilzuhaben an der Gesellschaft. Die Sprüche, die jetzt bekannt geworden sind, sind keine Ausrutscher, sondern lebensnotwendiger Bestandteil der Psyche von Menschen, die auf Kosten anderer leben. Nur im Zynismus gegen andere Menschen spüren sie nicht ihre Angst und Einsamkeit. Wer nur Geld im Kopf und im Herzen trägt, besteht psychisch nur aus Geldgedankengefühlen mit all der Konkurrenz, der Gier nach mehr und Angst, es zu verlieren.

So wie Kinder, die geschlagen werden, sich trotzdem in der unerträglichen Einsamkeit ihre Eltern schön reden, so wie Eltern, die ihre Kinder schlagen, sich selbst rechtfertigen müssen, weil sie tief drinnen spüren, dass das nicht in Ordnung ist, so halten auch die Banker die Einsamkeit des Getrenntseins nicht aus. Geldmenschen müssen psychisch in Beziehung zu den anderen Menschen treten, wie alle anderen auch. Niemand kann ohne die anderen leben. Vom Geld beherrschte Menschen können dies nur durch negative Beziehungen zu anderen. Deshalb müssen sie sich lustig machen über diejenigen, die sie meinen ausbeuten zu können. Das ist nichts Besonderes, nur dass es an das Licht der Öffentlichkeit gekommen ist, ist das Ungewöhnliche.

Ich kenne Banker, die Kunden beraten haben und die dabei so krank wurden, dass sie in Rente gehen mussten. Die Chefs verlangten, dass sie ihre Kunden umschleimen und betrügen, damit sie ihr Geld in Schrott anlegen, von dem nur die Bank profitiert. Mit massiven Vorgaben und Kontrollen wird dies gegenüber den Mitarbeitern durchgesetzt. Wer als Kundenberater unter einem solchen Druck steht, wird zwangsweise zynisch, anders ist das nicht auszuhalten. Wer aber seine Kunden nicht belügen kann, aber auch nicht kündigen kann, wird krank, meist unter der Diagnose Burnout.

Achten wir darauf, wenn unser eigenes Bankermuster „Geld ist das Wichtigste“ zuschlägt, möglichst bevor wir daran krank werden. Erst wenn viele Menschen, wenn die Mehrheit diese Zusammenhänge begriffen hat, wird die Macht des Gelddenkens enden, und wir können andere gesellschaftliche Strukturen aufbauen, die den Menschen und nicht dem Geld dienen.

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28.06.2013

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