Infobrief 4: Wer das Geld über alles liebt, zerstört sich selbst oder "Über gesundes Gelddenken"

Warnung: Hier stehen einige unbequeme Dinge, die mancher nicht hören will.

„Für einen Guten-Morgen-Gruß gibt es kein Geld“, sagte die Altenpflegerin, „nur das, was dokumentiert wird, wird bezahlt.“ Die Freude an der Arbeit wird durch die Fixierung auf das Geld systematisch ausgetrieben, wenn man in diesen Sumpf gerät. Nebenbei bemerkt: In den Dokumentationen im Gesundheitswesen wird gelogen nach Strich und Faden. Leistungen, die nicht erbracht wurden, werden dokumentiert. Andererseits werden Operationen durchgeführt, die nicht notwendig sind. Ein Urologe hat bei mir zwei Leistenbrüche festgestellt, die er operieren wollte. Ein Freund, ein guter Arzt, sagte mir, dass man sich niemals von dem operieren lassen sollte, der die Diagnose festgestellt hat. Es würde aufgrund von Geschäftsinteressen immer mehr operiert, obwohl es nicht notwendig ist. Seine Untersuchung ergab, dass ich keine Leistenbrüche habe.

Das Interesse an den anderen Menschen und die Freude bei bezahlter Arbeit zerbröseln unter unser aller Augen. Die Angst um das eigene Geld, die Gier nach fremden Geld überrennen die familiären Bindungen, untergraben die Kooperation in den Betrieben und bringen den Zynismus im öffentlichen und politischen Leben zu einer Blüte, die noch vor Jahren so nicht vorstellbar war.

Was ist hier bloß los? Die billige Antwort ergibt: Es gibt eben immer mehr raffgierige und aus Angst sozialdumme Menschen, da kann man nicht dran ändern. Oberflächlich gesehen stimmt das. Die anderen Menschen können wir nicht verändern, nur uns selbst. An dieser Stelle hört das Nachdenken meistens auf. Wir wollen nämlich nicht wahrhaben, dass wir selbst voll AngstGier* sind. Wir haben alle schon einmal zur Geldgier, Angst und Verdummung beigetragen, unsere schöne Erde missbraucht und andere Menschen für unsere Zwecke benutzt.

Aber mit der Versklavung von Menschen unter erbärmlichen Arbeitsbedingungen bis hin zu den Mordopfern, die als preisgünstige Ersatzteillager für Organtransplantationen „genutzt“ werden, damit haben wir doch nichts zu tun. Das stimmt, mit solchen abscheulichen Taten haben die meisten Leute konkret nichts zu tun. Oder doch? Es sind doch nur die extremen Auswüchse des Denkens: „Geld ist das Wichtigste im Leben.“

Wie kommen wir aus der Falle heraus, dass wir Geld zum Leben benötigen und uns trotzdem nicht von der eigenen und fremden AngstGier um das Geld tyrannisieren lassen?

1. Wir hören auf, das Geldverhalten anderer mit unseren Gefühlen (Wut, Ärger, Angst) zu beladen. Natürlich sehen wir dann immer noch die Katastrophen, die mit Geld angerichtet werden, und auch, wie wir um unser Geld betrogen werden. Aber wir stecken dann nicht unsere Energie, die uns bei der Wahrnehmung hässlicher Dinge gegeben ist, in negative Gefühle gegen andere. Weil es uns nur selbst vergiftet. Wir behalten einen klaren Kopf und tun mit dieser Energie und mit unserem Geld das, was wir stattdessen für sinnvoll halten.

2. Wir sind uns bewusst, dass wir allein verantwortlich sind für das Geld, über das wir verfügen. Wir lassen uns von niemandem mehr vorschreiben, was wir mit unserem Geld zu tun haben. Aber wir wissen auch, dass das Geld für einen Teil des Reichtums dieser Erde steht. Und nur wenn ich gut mit meinem Geld umgehe, kommt es uns allen zugute. Deshalb bin ich sehr daran interessiert herauszufinden, was ein guter Umgang mit Geld wirklich ist. Gottseidank muss niemand, auch ich nicht, perfekt sein. Ich habe auch keine Angst mehr vor moralischen Anwürfen anderer, die mit Moralpredigten oft genug nur an mein Geld kommen wollen.

Wenn ich das begreife, endet die Mehrgeldhabenwollen-Maschine in mir und der emotionale Streit ums Geld mit anderen Menschen. Ich muss nur mit dem „rechten“ Umgang mit meinem Geld auch wirklich beginnen und entsprechend handeln und mich nicht mit Klagen über die anderen und Sorgen um mich selbst zufrieden geben.

Diese Welt ist so wunderschön. „Ich frage mich, ob wir jemals von einem Himmel die Schätze bekommen, die uns die Erde schenkt.“ (Rabindranath Tagore nach Andreas Altmann**). Wenn ich in meinem Gelddenken klar bin, nutze ich mein Geld, um die Schönheit der Welt und ein wunderbares Miteinander zu erfahren und zu erhalten. Egal ob ich wenig oder viel Geld habe. Ich bin doch nicht blöd, mit Geiz, Gier und Angst mein Leben zu versauern und mein Geld gemäß den Spielregeln und Tricks von Geldsüchtigen einzusetzen, die keine Ahnung von dem haben, was wirklich wichtig, heilsam und heilig ist: Liebe und Verbundenheit, Kreativität, Schönheit und Freiheit sowie die Klugheit, dies alles optimal zu entfalten.

*Der Begriff AngstGier beschreibt, dass beides zusammengehört wie zwei Seiten einer Münze, auch wenn wir immer nur eine Seite wahrnehmen. Das erläutere ich in meinem Buch „Es lauscht am Stein der Weisen - Raus aus dem Gefängnis von Psyche und Gesellschaft“.

** Andreas Altmann, Einmal rundherum, rororo 22931, S. 66

 

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11.06.2013

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