Infobrief 2: "Bitte sagen Sie mir, wie ich leben soll"

Das Klopfen ist genial, wenn wir das ganze Potential ausschöpfen, das darin enthalten ist. Es ist aber auch kein bequemes Allheilmittel, das man nebenbei so mal mitnimmt.

Viele Freunde und noch mehr Patienten haben mit mir erlebt, wie das Klopfen negative Gefühle und Probleme in positive kraftvolle Lebensenergie verwandelt. Und dennoch höre ich oft: „Wolfgang (oder Herr Siegel), wir müssen an diese oder jene Angst noch einmal herangehen.“ Natürlich kann ein einmaliges Klopfen, mag es auch noch so effizient und nachhaltig wirken, nicht alle Probleme und Ängste auflösen, die sich im Laufe eines Menschenlebens im Gehirn angesammelt haben. Und erst recht hören die vielen AngstGier-Muster, die die Menschheit sich im Laufe der Menschheitsgeschichte zugelegt hat und die in jedem einzelnen Menschen wirksam sind, nicht durch ein Klopfen mit mir auf.

Ich verstehe ja gut, dass jemand, der erlebt, wie heilsam und nachhaltig unser Klopfen Ängste beendet, auch die vielen anderen, noch ungelösten Probleme mit mir klopfen möchte. Aber ein grundlegendes, sehr ungesundes Muster kann von mir eben nicht aufgelöst werden, nämlich der fatale Glaube, dass nur mit Hilfe einer anderen Person, durch einen Psychotherapeuten, einen Arzt, einen Priester oder einen anderen besserwissenden Menschen das eigene Leben in Ordnung gebracht werden kann und ein glückliches Leben möglich ist. Bei einem solchen Glauben fehlt das Vertrauen in das eigene Gefühlsempfinden, in den eigenen „psychischen Apparat“. Dieser will uns zu jedem Zeitpunkt zeigen, wo es langzugehen hat, damit es uns gut geht. Solange dieses Vertrauen zu sich selbst nicht entsteht, bleibt auch alles Klopfen mit mir Stückwerk, und die alten Strukturen der Angst vor dem eigenen Gefühlsleben übernehmen immer wieder die ungesunde Kontrolle über Ihr Leben.

Was ist zu tun? Beginnen Sie selbst zu klopfen, allein oder mit anderen, alles ist möglich. Wenn immer es Ihnen nicht gut geht, klopfen Sie die Belastung. Auf diese Weise gewinnen Sie Stück für Stück Ihr Vertrauen in sich selbst wieder. Und ist nicht schon in dem Moment, in dem Sie entscheiden, allein zu klopfen, ein großes Selbstvertrauen da, weil Sie keine Angst mehr haben vor dem, was an schlimmen Erinnerungen hochkommen mag? Ich kann Sie nur darauf hinweisen. Tun müssen Sie es schon selbst, ansonsten kommen Sie aus Ihrer Abhängigkeit von mir oder von anderen Helfern nicht heraus, und unsere Unterstützung, die am Anfang vielleicht hilfreich war, wird zu einer Bremse für ein selbstbestimmtes Leben. Das werden Sie niemals mehr wollen, sobald dieser Zusammenhang Ihnen bewusst wird.

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17.05.2013

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