Infobrief 22: Warum schreibe ich Infobriefe? (III)

37 Jahre als Psychotherapeut. Erschütternde und ergreifende Begegnungen mit Menschen in seelischer Not. Soviel Dankbarkeit, wenn ich ein wenig helfen konnte. Ermutigung durch meine Patienten für diese Arbeit. Sie macht mir immer noch Freude und überschüttet mich mit Energie.

Nie war ich zufrieden mit dem, was ich wusste. Bin immer auf der Suche nach einem noch besserem Verständnis davon, was uns krank macht, vor allem psychisch. Und auf der Suche nach dem, was heilt. Der geniale Jiddu Krishnamurti begleitet mich seit 12 Jahren. Seit 18 Monaten das Klopfen und die exzellente Hypnosetherapie, gelernt von meinem Freund Dr. Norbert Preetz.

Riesengroß sind die Ängste der Menschen voreinander und schmerzhaft unerfüllt zugleich die Sehnsucht nach Zuneigung und Liebe ist. Wir, als Individuen wie auch als Menschheit, sind von der unbewältigten Vergangenheit, von der unaufhörlichen Konkurrenz in unserer Freiheit kastriert. Das ist die Wurzel der Angst, die das gute Zusammenleben blockiert.

Vor sieben Jahren habe ich zusammen mit Krishnamurti-Freunden den ersten Kreis "Andersleben" initiiert. Viel Begeisterung, aber auch Konflikte und Enttäuschungen. Negative Gefühle richtig anzupacken, wird schmerzhaft gelernt. Verdrängte Ängste machen uns aggressiv gegen andere und gewalttätig-depressiv gegen uns selbst. Wenn wir das Verdrängen in uns sterben lassen, dann atmet eine befreite Kultur des Miteinanders auf, ohne Angst, ohne Druck. Dann entsteht auch der Raum für die Königsklasse mitmenschlichen Handelns: Die negativen Reaktionen anderer Menschen nicht aufnehmen und selbst negativ werden, sondern aus der Wut, dem Ärger, der Enttäuschung, der Angst, die andere uns aufbürden wollen, etwas Gutes zu machen. Das ist für mich und für uns alle befreiend und gesund. Nicht dass wir darin perfekt sind, wir beginnen erst, Andersleben zu begreifen.

Wir entleeren in uns selbst den seit Tausenden von Jahren abgestandenen und immer wieder erneuerten Gestank menschlicher Gewalttätigkeit und lassen frische Luft in Kopf und Herz. Aber nicht, um Schafe zu werden, die von den Anhängern der Gewalt umso besser geschoren und geschlachtet werden können. Wer die Dummheit und Gewaltbereitschaft bei sich selbst durchschaut, erkennt diese auch direkt bei anderen und liefert sich ihnen nicht mehr aus.

Psychotherapie, diese bezahlte Begegnung von zwei Menschen, hat Grenzen, mag sie noch so gut bei gewissen Problemen helfen. Mit sich im Einklang und richtig glücklich sind wir nur in der Verbundenheit - mit der Natur, mit einer befriedigenden Tätigkeit, mit anderen Menschen. Das ist ein psychologisches Gesetz, das niemand außer Kraft setzen kann. Den meisten Menschen scheint das nicht bewusst zu sein, so sehr sind sie mit dem Gedankenkreisen um sich selbst beschäftigt.

Therapeuten werden die psychischen Störungen, die durch den wachsenden Konkurrenzdruck zur Lawine werden, niemals bewältigen. Mich zieht es von der Therapie mit den einzelnen Personen noch mehr hin zum gemeinsamen Andersleben. Für die meisten meiner gründlichen Erkenntnisse darüber, was psychisch krank und gesund macht, braucht man kein Studium. Viele Menschen können es nutzen, wenn sie lernen sich selbst zu erkennen, und zugleich Netzwerke eines neuen Bewusstseins bilden.

In den Kreisen von Andersleben kann sich die Energie in den Menschen, die sich für Verbundenheit und Freiheit ohne Abstriche entschieden haben, prächtig entfalten. Mit ganzem Herzen und offenem Geist bin ich dabei. Deshalb meine Initiative für Andersleben und deshalb auch meine Lust auf diese Infobriefe.

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26.11.2013

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