Infobrief 21: Warum schreibe ich Infobriefe? (II)

Ich bin wie jeder Mensch ein unverbesserlicher Egoist. Doch ich habe begriffen, dass es mir nur dann wirklich gut geht, wenn es dir auch richtig gut geht und wir zusammen unsere Welt gestalten. Wir sind keine getrennte Wesen. Die Verknüpfung der persönlichen mit den gemeinsamen Bedürfnissen ist die intelligenteste Art zu leben. Jeder kann das spüren. Jeder sehnt sich nach Verbundenheit. Aber wir haben zugleich auch Angst, dass wir schlecht behandelt werden und dann untergehen. Oft verbarrikadieren wir uns in unseren Verteidigungsbunkern. Dort aber herrschen Angst, Trübsal und Einsamkeit. Hin- und hergerissen werden wir von unserem Suchen nach Nähe – aber da ist auch die Gefahr und die Angst vor Verletzung - und von dem Verstecken hinter unseren Mauern – aber dort ist die Angst vor dem Alleinsein und Isolationsgefühl. Ein Dilemma ohne Ausweg. Wirklich ohne Ausweg?

Wenn ich irgendeine gesellschaftliche Organisation wie das Gesundheitssystem, Schulen oder den Arbeitsmarkt genauer betrachte, stoße ich auf Fassaden in Form von Reden über Gerechtigkeit und großspurige Absichtserklärungen, was alles besser werden soll. Mit solchen Hoffnungen wird unser Bedürfnis nach Verbundenheit abgespeist. In Wahrheit wütet in vielen gesellschaftlichen Bereichen der Konkurrenzkampf, das Gegeneinander um Geld und Macht und zerschlägt Gemeinsamkeit. Und mitten drin ringen Menschen mit Engagement, um das Gemeinwesen halbwegs funktionsfähig halten. Immer häufiger sind gerade die Menschen, die mit Herz arbeiten, ausgebrannt und werden krank.

Der Konkurrenzdruck ist rücksichtslos sowohl gegenüber Meeren, Wäldern, dem Klima wie auch gegenüber jedem einzelnen Menschen. Die Rechtfertigung „Wenn wir die Bodenschätze und die Arbeitskräfte nicht maximal ausnutzen, machen es die anderen, und wir sind die Verlierer.“ Die Kranken, die Hungernden und Toten, die dabei weltweit anfallen, werden nicht gezählt. Es zählt nur die maximale Ausbeutung von Mensch und Natur. „Wir müssen uns in der Konkurrenz auf dem Weltmarkt durchsetzen“, heißt es in Peking genauso wie in Nigeria und in Dortmund.

Alle Vorteile für mich“ und „ich will immer mehr Geld“, das schafft nichts Lebenswertes. Nur Kooperation schafft Werte und schenkt Freude und Freunde. Die Parasiten des Konkurrenzkampfes, die selbst keine Werte mehr schaffen, nähren sich von dem Gewinn, den sie den gemeinsam geschaffenen Werten entziehen. Aber wir alle sind keine besseren Menschen. Wir stehen nur auf unterschiedlichen Positionen in dem Konkurrenzsystem. Die meisten von uns sind gezwungen, für den Lebensunterhalt mit zu konkurrieren. Das Konkurrenzdenken wird immer bezahlt mit der Angst, zu unterliegen und mit Einsamkeit.

Viele von jenen mit der größten Gier nach Geld und Macht beißen sich zu den Führungspositionen durch. Du machst die Böcke zu Gärtnern, wenn du erwartest, dass gerade sie die globalen Probleme lösen, die das Geld- und Machtdenken erzeugt. Gib die Hoffnung auf, dass mächtigere Menschen diese Probleme lösen werden. Das ist realitätsfremd, also blind und dumm.

Viele Leute sehen hinter dem Glitzervorhang von Lügen und Konsum diesen Zerfall durch das lebensfeindliche Krebsgeschwür der Konkurrenz. Aber es fehlt eine Orientierung, wie man in diesem weltweiten System leben kann. Wir müssen hier leben, wo sollen wir sonst hin? Wut, Ärger, Schimpfen auf Politiker, Banker und das sog. System erzeugt auch keine Gemeinsamkeit und Lebensfreude. Im Gegenteil: Dauernde Unzufriedenheit führt zu Aggressivität gegenüber Schwächeren, zu Depressionen und anderen Krankheiten. Besserwisserei vergrößert die Streiterei und vertieft die Gräben zwischen uns.

Konkurrenz sei lebensnotwendig und eine natürliche Eigenschaft des Menschen, das wird uns eingehämmert. Müssen wir das auch noch bejahen und diese zerstörerischen Sprüche selbst wiederholen? Müssen wir uns selbst in Angst und Einsamkeit hineintreiben?

Andersleben nimmt die Realität der Konkurrenz auf, antwortet ihr jedoch ganz anders: Wir fangen bei uns selbst an, nicht bei den anderen. Wir befreien uns aus unseren eigenen GedankenGefühlsgefängnissen von Angst und Feindseligkeit. Wir lernen mit der Realität der Konkurrenz gut umzugehen. Indem wir uns selbst befreien, verändern wir die Welt. Andersleben nur für mich allein funktioniert nicht. Wir bilden Kreise von Andersleben. Dort entsorgen wir die alten Muster von Angst und Konkurrenzdenken aus unseren Köpfen und Herzen. Unter Freunden der Verbundenheit entfalten sich Intelligenz und Kreativität. So kann die Freude an diesem wunderschönen Leben explodieren. Das kann doch jeder wissen und deshalb schreibe ich Infobriefe.

Mehr darüber im nächsten Infobrief und unter Andersleben auf meiner Website.

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31.10.2013

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