Infobrief 18: Hypnose entmystifizieren und selbst nutzen

Viele Menschen verbinden mit ihrer Vorstellung von Hypnose die Wirkung von fast magischen Kräften. Die einen hoffen, dass ein Therapeut in der Hypnose ihre Probleme auf geheimnisvolle Weise beseitigt. Die anderen befürchten, dass sie in der Hypnose manipuliert werden und keine Kontrolle und Steuerung mehr ausüben können. Andere wiederum halten das alles für Humbug, der nur vorgespielt wird. Showhypnosen sowie therapeutische Heilsversprechungen erzeugen diese Vorurteile.

In unserem Tiefenbewusstsein schlummern enorme Kräfte. Das unglaublich effiziente menschliche Gehirn, das die ganze Welt umgestaltet, hat die Fähigkeit, alle Probleme zu lösen, solange es nicht abstirbt. Aber im Tiefenbewusstsein sind auch alle ungelösten Probleme aus der Vergangenheit enthalten und „warten auf die Erlösung“. Das müssen Sie mir nicht glauben. Sie müssen darüber auch keine Bücher lesen, sondern jeder kann dies bei sich selbst entdecken. Ob es das Bewusstsein eines überindividuellen Geistes gibt, darauf gehe ich hier nicht ein.

Solange wir die Verbindung zwischen unserem Bewusstsein und unserem Tiefenbewusstsein nicht herstellen, erzeugen wir unsere Probleme. Das gilt für den einzelnen Menschen genauso wie für uns als Gesellschaft. Der stille Geist stellt diese Verbindung her. Er ist aktiv, wenn wir aufhören zu argumentieren und zu streiten, sondern wahrnehmen und fühlen, was ist.

Ein Beispiel für das Individuum: Eine Person will aufhören zu rauchen, aber in ihrem Tiefenbewusstsein gibt es eine große Angst vor den eigenen Gefühlen, die hochkommen könnten, wenn sie sich nicht mehr mit Zigaretten ablenkt. Diese Angst verstellt den Zugang zu dem tiefen Lebenswillen, der in jedem Menschen ist und der sich nicht vergiften will. Wer den Drang zu rauchen merkt, sich aber nicht mehr wie üblich in Selbstgesprächen rechtfertigt, sondern nur in sich hinein spürt, wird feststellen, dass ihm auf natürliche Weise die Zigarette gar nicht schmeckt.

Ein gesellschaftliches Beispiel: Auf der bewussten Ebene wollen wir ökologisch leben und die Klimaerwärmung stoppen. Aber im kollektiven Tiefenbewusstsein gibt es eine Angst, irgendetwas von unseren Geldquellen zu verlieren. Diese Angst verstellt den Zugang zu unserer Fähigkeit zu wirklicher Kooperation, mit der wir als Menschheit alle Probleme lösen könnten. Nur Menschen, die angstfrei handeln, werden als Gemeinschaft gesellschaftliche Probleme tatsächlich lösen.

In der Hypnose bekommen wir Zugang zu unserem Tiefenbewusstsein, und zwar sowohl zu unseren enormen Fähigkeiten, wie auch zu den Ängsten, die uns blockieren. Dieser Zugang kann nicht von außen beherrscht werden, sondern die Person entscheidet selbst, ob sie diesen Zugang frei gibt. Deshalb existiert Hypnose im Sinne von Fremdsteuerung gar nicht. Alles Erstaunliche, was in der Hypnose möglich ist, geschieht nur mit der inneren Zustimmung dessen, der hypnotisiert wird. Im Wesen ist Hypnose deshalb immer Selbsthypnose, auch dann, wenn der Hypnotiseur diesen Prozess anstößt und begleitet. Es scheint nur so, als hätte er Macht über den Hypnotisierten. Hätte er wirklich die Macht, dann könnte er Erfolgsgarantien für Hypnosetherapien geben, und bei Verbrechen wäre man entschuldigt, wenn sie unter Hypnose geschehen sind. Erfolgsgarantien und Freisprüche wegen Hypnose gibt es nicht.

Aber ist es nicht eine unglaubliche Chance: Egal ob mit Unterstützung durch eine Fremdhypnose oder in der Selbsthypnose, wir können unsere Ängste selbst auflösen. Unser Bewusstsein kann dann die ganze Kraft des Tiefenbewusstseins für ein gutes Leben nutzen. Die Voraussetzung dafür ist, dass wir Vertrauen in uns selbst und keine Angst mehr vor unserem Gefühlsleben haben und vor dem, was hochkommen könnte. Dann hört der ganze Spuk auf, dass wir von anderen benutzt werden, die auf dem Klavier unserer Ängste spielen. Und auch, dass wir uns gegenseitig aus Angst benutzen, anstatt voll Liebe und Intelligenz zusammen zu leben.

Hypnose ist nicht der einzige Zugang des stillen Geistes zu unserem tiefen Wissen, was uns wirklich gut tut. Aber es ist ein außerordentlich wirksamer. Aber damit wir sie richtig nutzen können, muss die Hypnose von den irrationalen Vorstellungen und vermeintlich geheimnisvollen Mythen befreit, also entmystifiziert werden. Dann kann sie zu einem höchst wertvollen Instrument zum psychischen Wohlbefinden in den eigenen Händen für jeden Menschen werden. Die Kreise Andersleben fangen an, die Hypnose genauso wie das Klopfen gemeinsam zu nutzen.

Kommentare:

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Bisherige Kommentare: 1
Jutta Plat-Bolte 02.11.2013
16:38:00
Durch Hypnose bzw. Tiefenentspannung, die ich seit Ende 2012 regelmäßig durchführe, hat sich meine Sicht auf viele Dinge geändert. Mein Leben ist lebenswerter und reicher geworden. Seit ca. 18 Jahren litt ich unter Asthma. Durch psychische Probleme, wurde es so schlimm, dass ich regelmäßig stationär behandelt werden musste. Seit ich begonnen hatte, mir verschiedene Suggestionen einzugeben und diese täglich, wie ein Mantra zu wiederholen, ist das Asthma fast verschwunden. Auch in anderen Bereichen meines Lebens, habe ich durchweg positive Erfahrungen, dank der Tiefenentspannung, erlebt. So bin ich sehr viel gelassener, ausgeglichener und ruhiger geworden. Selbsthypnose ist für mich zu einem festen Ritual geworden. Ich gönne mir täglich den Luxus, 30-45 Minuten,mich mit meinem Inneren zu beschäftigen, um danach neue Energie und mehr Erkenntnis über mich zu bekommen.
Herr Siegel, ich danke Ihnen so sehr für Ihre Hilfe und Ihre Anregungen
Herzliche Grüße
Ihre J.Plat-Bolte
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24.10.2013

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