Infobrief 16: Burnout = Zuviel Arbeit? So ein Quatsch!

Burnout ist ein großes Thema. Immer mehr Menschen klagen darüber. Die beliebteste Erklärung für Burnout besteht darin, dass der Mensch zu viel gearbeitet habe. Die Empfehlung lautet dann, dass er weniger arbeiten müsse oder sich eine Auszeit nehmen soll. Und er müsse einmal zur Ruhe kommen und solle dafür Psychopharmaka einnehmen. Diese tollen Ratschläge führen zwar nicht immer, aber viel zu oft in anhaltende Depressionen und dann in die Erwerbsunfähigkeit. So weit, so schlecht. Nicht, dass ich den Menschen einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Berufsleben nicht gönne. Doch was ist das für ein Leben, wenn man dabei depressiv bleibt und keine Lebensfreude mehr hat?

Burnout hängt nicht nur mit der Arbeit zusammen. Aber in diesem Infobrief gehe ich nur auf die Arbeitsbedingungen ein und nicht auf weitere persönliche Umstände.

Burnout ist der Verlust von Arbeitsfreude. Solange ich eine Tätigkeit sehr gern mache, habe ich keinen Mangel an Energie. Entscheidend ist nicht die Menge und der Umfang einer Tätigkeit, sondern welche Lebensqualität sie vermittelt. Oder vereinfacht ausgedrückt: Nicht was ich tue, bestimmt mein Wohlbefinden, sondern wie ich es tue. Wenn ich etwas von Herzen gern tue, beispielsweise meine Arbeit als Psychotherapeut, steht mir enorm viel Energie zur Verfügung. Erst wenn ich spüre, dass es mir bei einer Arbeit nicht mehr gut geht, wenn ich erschöpft bin, dann sagt mir diese Verfassung, dass diese Art zu arbeiten eben nicht mehr bekömmlich ist.

Was tun? Jedenfalls nicht: Erholen und dann wieder rein in die Quälerei, wie Burnout-Ratgeber gern empfehlen. Sondern: So nicht weitermachen. Genau hinspüren, was für mich stimmig ist und was nicht, damit mein Energiefluss sich nicht in negativen Gefühlen erschöpft. Der erste Schritt zur Besserung besteht darin, aufzuhören, mit der Arbeit zu hadern. Entweder ich lasse das sein, was mir nicht gut tut. Oder ich stehe zu meiner Arbeit und nehme die Tatsachen an, wie sie sind. Aber Jammern und Meckern ist das Dümmste, was ich tun kann. Das frisst noch den letzten Rest von Energie (s. 5. Infobrief).

Doch was mache ich bloß, wenn der Job mies ist, weil der Druck von oben unerträglich ist und ich keine andere Arbeit finde und das Geld benötige? Wie wäre es einmal damit, sich innerlich mit einer solchen Arbeitsstelle, mit einem solchen Betrieb nicht mehr zu identifizieren. Zwar das tun, was nötig ist, damit der Job möglichst erhalten bleibt. Aber sein Herzblut nur noch auf eine solche Weise einbringen, dass es wirklich gut ist für das Miteinander, ohne sich psychisch ausnutzen zu lassen. Das kann ich sogar auch auf einem Arbeitsplatz, wo von oben nicht der Segen kommt, sondern ein Sumpf von Rücksichtslosigkeit sich ausbreitet. Dieselbe Haltung ist übrigens in jeder Lebenssituation notwendig, nicht nur am Arbeitsplatz: Sich nicht mehr von den Gegebenheiten terrorisieren lassen, sondern gut auf alle Umstände antworten. Meine Infobriefe geben Anregungen dafür. Es ist eine echte Herausforderung in diesem Neuland: Gut auch mit Schlechtem umzugehen, ohne sich davon infizieren zu lassen. Das ist Andersleben – da gibt es kein Burnout.

Kommentare:

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Bisherige Kommentare: 2
"alternativlos" 13.10.2013
19:21:00
Besonders interessiert bin ich an Ihrem letzten Sub-Thema: was tun, wenn man den Job braucht, obwohl krankmachend? Ihr Vorschlag, eine Art Distanz aufzubauen, hat mich dann an ein tolles Buch erinnert, wo eine extreme "alternativlose" Situation geschildert wurde:
Viktor E. Frankl, "Ein Psycholog erlebt das Konzentrationslager" ("Man's search for meaning").
Darin ist das Thema weiter vertieft worden.
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Wolfgang Siegel 17.10.2013
00:12:00
Danke für den Hinweis. Habe mir das Buch sofort bestellt. Ich habe den V. Frankl 1994 noch einmal gehört.
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10.10.2013

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