Infobrief 29: Kennen Sie Jiddu Krishnamurti (1995-1986)?

 

Mancher meiner Leser stellt sich vielleicht die Frage, wie ich darauf gekommen bin, die Dinge oft irgendwie anders zu sehen, als es üblich ist. Als ich 2001 erstmals etwas von Jiddu Krishnamurti gelesen habe, war mir sofort klar, dass dies meinen Blickwinkel auf mich selbst und auf die Welt draußen grundlegend verändern wird, wenn ich mich darauf einlasse. Am Anfang hatte ich Angst davor, all meine selbstverständlichen Überzeugungen in Frage zu stellen. Was bleibt denn dann von mir noch übrig? So wirkte meine unterschwellige Angst. Aber das, was K. sagt, hat eine solche Kraft, mich auf die Wahrheit hinzuweisen, dass ich mich ihm nicht entziehen konnte und wollte. Zutiefst dankbar bin ich inzwischen über diese Entdeckungen durch die Hinweise von K. Sie bescheren mir: Freiheit im Denken zur Entfaltung meiner Intelligenz, eine Öffnung für die Liebe, neue Zugänge zur Schönheit und Kreativität, eine Entschlackung meiner Wahrnehmung von Vorurteilen.

Krishnamurti hat mich in seiner radikalen Einfachheit und Klarheit wach gemacht, und zwar egal, welche seiner Reden ich gelesen oder mir angehört habe. In diesem Infobrief gebe ich Ihnen eine kleine Kostprobe, vielleicht zum Anregen Ihres Appetits:

FRAGE: Sind die Menschen gleich?

KRISHNAMURTI: Sind wir es? Sie sind sehr gescheit, ich nicht. Sie sind hochsensibel und etwas Besonderes. Sie können klar, rational, wundervoll denken, und ich bin voller Vorurteile, Eigentümlichkeiten, voll Temperament, und diese Dinge behindern mich. Sie haben einen viel besseren Job, ein größeres Haus. Ihr Hirn ist größer als meines. Gibt es da Gleichheit? Vielleicht gibt es so etwas wie Chancengleichheit. Aber warum vergleichen wir, warum sage ich mir, daß Sie einen viel besseren Kopf haben als ich, warum? Warum bin ich eifersüchtig auf Sie? Durch den Vergleich? Wir sind freilich von Kindheit an zum Vergleichen erzogen worden, in der Schule, im Geschäftsleben, in der Kirche, wo das hierarchische System herrscht vom niederen Priester bis zum Papst und so fort, aber warum müssen wir in unserem Leben immer vergleichen? Kann der Geist aufhören zu vergleichen? Dann wäre Gleichheit möglich, aber nicht so, wie wir sind.

aus: Jiddu Krishnamurti, Gespräche über das Sein, 1977, Bern, München, Wien

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24.04.2014

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