Infobrief 5: Jammern ist Terror – gegen andere und gegen sich selbst

Jammern muss manchmal sein, drückt es doch aus, dass es dem Jammernden nicht gut geht. Und wem geht es schon immer gut? Doch was machen wir in diesem jämmerlichen Zustand? Sehen wir zu, dass wir wieder auf die Beine kommen? Versinken wir in unserem Elend und ziehen möglichst andere noch mit uns herunter?

Die Macht, die Menschen über andere ausüben durch Jammern, ist etwas sehr Unangenehmes und Lebensfeindliches. Ich schreibe hier nicht über den Umgang mit jammernden Kindern und an ihrer Demenz leidenden Menschen. Es geht auch nicht um das Mitgefühl bei körperlichen Schmerzen, die wahrhaft jämmerlich sein können. Es gilt auch nicht für Ärzte, Therapeuten, Krankenschwestern und andere, die sich professionell mit jammernden Menschen beschäftigen. Sie werden nicht terrorisiert, sondern dafür bezahlt. Obwohl so manches mal...

Kennst du Leute oder auch eigene Situationen, in denen aufgrund persönlicher Probleme gejammert wird, um andere zu beeindrucken und unter Druck zu setzen? Bei dir selbst willst du es vermutlich nicht wahrhaben, aber bei anderen nervt es uns immer wieder, wenn jemand die Verantwortung für sich selbst auf andere abwälzen will. Das führt zu Chaos und vergrößert das Unglücklichsein. Wer von anderen mit Jammer beladen wird, kann ja dessen Probleme nicht lösen. Der Jammernde erzeugt seine miese Verfassung selbst und besteht beim Jammern aus Mitleid für sich selbst und Aggressivität gegen andere, vielleicht auch gegen sich selbst. Das Jammern macht blind für eine gute Klärung einer möglicherweise schwierigen Situation. Denn der Geist stellt sich nicht der aktuellen Herausforderung, sondern ist mit Selbstmitleid beschäftigt. Nur wenn wir aufhören zu jammern, können wir klar denken und die anstehenden Dinge optimal regeln.

Hast du schon gemerkt, dass du beim Jammern meistens gar nicht deine Probleme lösen willst? Solange du jammerst, kreist du gedanklich nur um dich selbst und fühlst dich fürchterlich einsam dabei. Damit dieses Einsamkeitsgefühl aufhört, will der Jammernde andere in seinen Sumpf des Selbstmitleids hineinziehen. Dem soll es auch schlecht gehen. Wenn das gelingt, dann fühlt sich der Jammernde gleich besser, weil er nicht mehr so allein ist. Der andere hat sich im Gegenzug ein negatives Gefühl eingehandelt, aus dem er schlecht wieder herauskommt. Denn dahinter steht ja gar nicht ein eigenes Problem, an dem er etwas tun könnte. Natürlich bestreitest du als Jammernder diese Absicht, weil du doch als "armes Schwein", als das du sich fühlt, gar nicht "böse" sein kannst. So rechtfertigt sich ein/e Jammernde/r - und nervt weiter die Mitmenschen und kommt selbst nicht voran.

Meine Konsequenz ist: Wenn ein erwachsener Mensch mir etwas vorjammert, sage ich ihm sinngemäß: „Hör auf mit dem Jammern und mit deinem Selbstmitleid. Wenn du normal redest, können wir auch gern über dein Problem sprechen. Nur lösen musst du es schon selbst.“ Vielleicht wird der Jammernde dadurch wach, ruhig und konstruktiv. Dann hab ich ihm geholfen. Das ist die einzig sinnvolle Hilfe, die wir einem Jammernden geben können (Ausnahmen siehe oben). Wenn er stattdessen noch mehr aufdreht und mir Rücksichtslosigkeit und mangelndes Mitgefühl vorwirft, dann diskutiere ich darüber nicht. Denn das ist sinnlos. „Du kannst dich gern melden, wenn du wieder normal reden kannst, aber nicht eher.“ Das ist meine Antwort, eine gesunde Reaktion, glaube ich. Und auch der Jammernde bekommt von mir eine faire Chance, aus dem Loch des Selbstmitleids heraus zu krabbeln.

Und wenn ich selbst am Jammern bin? Sobald ich mich dabei erwische, welches üble Spiel ich mit mir und womöglich mit anderen treibe, ist schon Schluss damit. Ich mache mich automatisch auf den Weg für eine gute Antwort auf meine Notlage.

Übrigens das gleiche gilt auch, wenn Menschen herumschreien. Auch von diesem Stil lasse ich mich innerlich nicht mehr beeindrucken. Ich weiß doch, das es nichts anderes ist, als der Versuch, mich klein zu kriegen und meine Angst anzuheizen. Ich lasse den Schreihals allein. Wenn ich aus der Situation nicht weggehen kann, dann lasse ich ihn innerlich allein, d.h. ich lasse das Geschrei nicht an mich heran, weil ich sehe, dass es sein und nicht mein Problem ist. Wenn wir uns von anderen nicht mehr psychisch terrorisieren lassen, können wir uns klug verhalten, wie es die Situation eben zulässt, auch gegenüber einen aggressiven Chef und einem herummeckernden Familienmitglied.

Wenn du das Ungesunde vom Jammern und Herumschreien bei dir selbst durchschaut hast, hast du auch keine Lust mehr, andere damit beeinDRUCKen zu wollen. Der psychische Terror verliert die Macht über dich. Der Weg wird frei für eine Lösung des Problems und eine neue Chance für das Glück.

Kommentare:

Schreiben Sie einen Kommentar.

Bisher keine Kommentare.

22.06.2013

nach oben