Verbundenleben - eine Notwendigkeit

Verbundenleben ist zuerst die Antwort für mich auf all das Negative, das tagtäglich auf mich einströmt: Die gesellschaftlichen Probleme. Die Nöte der Menschen, die bei mir Hilfe suchen. Die Konflikte im privaten Umfeld. Verbundenleben gibt mir die Kraft, allem Häßliche und allem Leiden, das mich berührt, die rechte Antwort zu geben. Da ich erlebe, wie gut das tut, habe ich das natürliche Bedürfnis, andere Menschen darauf aufmerksam zu machen.Es ist wie unendlich viel leckeres Essen, das gemeinsam noch viel besser schmeckt.

Was ist Verbundenleben? 

Es ist eine nicht endende Entdeckungsreise, das Gedankengefängnis der Gewohnheiten zu verlassen, um die Luft der Freiheit zu atmen und die Fähigkeit zur Kooperation mit anderen Menschen zu entfalten.

Wir sind im Verbundenleben nicht allein. Überall gibt es Menschen, die ebenfalls aus der Sackgasse der Konkurrenz und der Angst heraus wollen, und die mit Verbundenleben unterwegs sind, auch wenn sie es nicht so nennen. Sind es wenige, sind es viele? Das ist doch egal, und das müssen wir auch nicht diskutieren. Kommen wir wirklich zusammen oder entwickeln wir nur Modelle von Verbundenleben oder irgendwelche Ideale?

Das menschliche Hirn und die vernetzte Menschheit haben ein unerschöpfliches Potential zur Bewältigung aller Herausforderungen der persönlichen Schicksale wie auch der gemeinsamen Probleme. Wir vergeuden unsere Potentiale nicht im Streit um den „besten Weg“, wie es Religionen und Idealisten seit Jahrtausenden tun. Das Rechthabewollen hört auf. So können wir lernen, unsere persönlichen Potentiale voll Freude zu entfalten und als Gemeinschaft ganzheitlich zu handeln.

Das ist das Herzstück im Kreis Verbundenleben: Dass wir dahinter kommen, uns ohne Angst zu begegnen, ansonsten würde es wie bisher üblich sein: Verteidigen, Rechthaberei, Verletzen und Verletztwerden. Es ist ohne Bedeutung, welche Meinung, Auffassung oder Theorie die richtige ist und welcher Weg zu welchem Ziel eingeschlagen werden soll. Entscheidend für Verbundenleben ist, ob wir mit der Unterschiedlichkeit und Vielfalt der Menschen gut umgehen und sie lebendig werden lassen. Nur dann wird es möglich sein, dass die sachlichen Unterschiede nicht zu Streit führen, sondern kreativ in den gemeinsamen Lern- und Lebensprozess einfließen.

Wie kann Verbundenleben beginnen? Es ist so einfach - wenn man es begriffen hat: Konflikte unter Menschen erzeugen negative Emotionen. Negative Emotionen erzeugen Konflikte. Die negative Emotion im Kontakt zu anderen ist schlichtweg das Merkmal für ein Klima des Gegeneinanders. Also sind sie doch höchst wertvoll. Sie zu verdrängen und zu unterdrücken führt dazu, dass sie immer heftiger werden. Und sie einem anderen um die Ohren zu hauen, sie am anderen „abzulassen“ ist der Beginn vom Psychokrieg. Verbundenleben erfordert, dass wir unsere negativen Emotionen, die wir spüren, in uns selbst auflösen. Das tut allen gut und, nebenbei bemerkt, dann erst können wir auch gegenüber echten Bedrohungen von außen intelligent, und eben nicht emotional handeln. Verbundenleben ist weder leicht noch schwer, sondern einfach eine Herausforderung, die immer bei jedem selbst beginnt.

Was passiert bei einem Treffen eines Kreises Verbundenleben? In einem solchen Kreis kann die Klarheit entstehen, die Klippen der Angst und des destruktiven Umgangs miteinander zu erkennen und nicht mehr daran zu zerschellen. Wir können uns als Freunde in einem Kreis Verbundenleben gegenseitig unterstützen, wenn wir uns der Verantwortung für die eigenen negativen Gefühle bewusst sind und wenn wir gewillt sind, die übliche Kettenreaktion zu unterbrechen, die negative Gefühle meist in Gang setzen. Auf diese Weise können wir alle psychischen Probleme bewältigen.

Das Besondere von Verbundenleben:

Diese persönlichen Anliegen werden nicht diskutiert im üblichen Sinn mit Für und Wider oder Richtig und Falsch. Sondern jeder Beitrag beinhaltet die ganz persönliche Sichtweise, die dem Sprecher am Herzen liegt. Jeder versucht, sich selbst und die eigenen Gefühle und das eigene Leben den anderen zu zeigen, logischerweise nur soweit man es selbst kann und möchte. Wir haben keine Erwartung, dass andere unsere Probleme lösen. Aber auf diese Weise, durch diese Offenheit geben wir uns gegenseitige Anstöße, die unser eigenes Empfinden und unseren Blickwinkel erweitern.

Natürlich verfallen wir auch leicht in das übliche Argumentieren. Kein Wunder, das sind wir doch gewohnt. Wir müssen andere auch nicht zurechtweisen, dass er oder sie auf diese oder jene Art nicht reden sollte. Jeder hat selbst die Möglichkeit und die ganz persönliche Verantwortung für das, was er sagt oder nicht sagt und wie er/sie es formuliert. Wenn jemand meint, dass ein anderer vermeintlich oder tatsächlich ins Rechthabenwollen verfallen ist, kann er oder sie die Offenheit wieder im Kreis herstellen dadurch, dass er oder sie über das eigene Empfinden spricht, aber eben ohne den anderen zu kritisieren. Dadurch wird erneut deutlich, worum es im Kreis Verbundenleben geht: Etwas von sich zu zeigen und dem Kreis zu geben und sich von den anderen inspirieren zu lassen.

Auf diese Weise schaffen wir eine Atmosphäre großer Achtsamkeit für uns selbst und füreinander und bauen die Angst davor ab, etwas Falsches zu sagen. Das ermöglicht jedem Teilnehmer, auch auf schwierige Themen zu schauen. Selbsterkenntnis und Verbundenheit können sich entfalten. Diese Art des Miteinander, die wir im Kreis Verbundenleben erlernen, kann jeder Einzelne in allen Beziehungen und Gruppen auch außerhalb des Kreises fortführen und dort auch andere Menschen inspirieren.

Wie kann ein Kreis von Leuten ohne Psychospezialisten psychische Probleme lösen? Jeder trägt das Potential zur Lösung seiner Probleme in sich. Es wird blockiert beispielsweise durch nicht bewältigte Erfahrungen in Familie und Schule, durch tiefe Enttäuschungen in Partnerschaften, durch Traumatisierungen nach Unfällen usw. Wir erkennen die Blockaden bei anderen leichter als bei uns selbst. Ein Kreis, in dem keine Angst mehr voreinander besteht, kann die gemeinsame Intelligenz die persönlichen wie der gemeinschaftlichen Probleme lösen. Bedingung ist, dass wir mit der Besserwisserei aufhören und begreifen, dass wir nur über die eigenen Empfindungen und Beobachtungen sprechen, und nicht die anderen interpretieren und beurteilen. In Gesprächen ohne Druck können wir uns gegenseitig so inspirieren, dass früher oder später die Probleme der Angst vor der Zukunft und vor anderen Menschen sich klären und auflösen. Außerdem gibt es auch unter Psychospezialisten Menschen, die Verbundenleben für lebensnotwendig halten und bereit sind, ihre Kenntnisse dafür verantwortungsvoll zur Verfügung zu stellen, wie das Klopfen oder die Hypnose und Selbsthypnose, wesentliche Hilfsmittel, um unbewusste Blockaden aufzulösen. 

Verbundenleben und Klopfen: Falls bei einem persönlichen oder gemeinsamen Problem sich keine Veränderung einstellt, kann der Kreis zum Klopfen oder zur Hypnose greifen. Uns allen wurde eine riesige Angst vor eigenen Gefühlen eingetrichtert, Angst vor der Wut, Angst vor der Traurigkeit, Angst vor der Angst usw. Es bedarf schon einer großen Ernsthaftigkeit der einzelnen Teilnehmer, sich daraus zu befreien, damit die Intelligenz des Kreises wirksam werden kann. Das halte ich für das Entscheidende, wichtiger als alle Organisationsformen, die aber als Hilfsmittel zumindest am Anfang benötigt werden. Zusammen mit anderen können wir die hartnäckigsten negativen Gefühle aufzulösen.

Was machen wir dann, wenn wir keine Probleme und keine Angst mehr haben? Als mir diese Frage gestellt wurde, musste ich lächeln. Es gibt doch unendlich viele Möglichkeiten, Positives in die Welt zu bringen. Jeder hat da seine Ideen, die er zusammen mit anderen verwirklichen kann, wenn das Gegeneinander aufhört und wir mit unserer Unterschiedlichkeit kreativ und demokratisch umgehen können.

Wo gibt es schon Kreise von Verbundenleben? Menschen, die daran ernsthaft interessiert sind, kenne ich in NRW, in Hannover, in Hamburg, in Braunschweig und in Aalen. Überall dort habe ich wunderschöne Lesungen aus meinem Buch „Es lauscht am Stein der Weisen – Raus aus dem Gefängnis von Psyche und Gesellschaft“ durchführen können und in berührenden Workshops Grundlagen für das Klopfen vermittelt. Ich stelle gern einen Kontakt zu ihnen her.
Wer beginnt mit Verbundenleben, wenn nicht wir, die wir die Notwendigkeit für und die Lust auf Verbundenleben spüren und andere darauf aufmerksam machen durch Worte und - eben durch Verbundenleben?

 

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